Gönnt euch einen moment

Lange ist’s her, dass ein junger Mann startete, seine Vision von Wein in der Gastronomie umzusetzen. Damals war Tinu noch mit Weinkultur unterwegs, ich mit urban und ich. Das Telefon klingelt und am Apparat ist Sven Stauffer, er übernähme das ehemalige Les Terroirs und würde gerne zu einer Degustation vorbeikommen. Ich war erfreut, dass er sich von meinen Erklärungen zum Thema Naturwein nicht etwa abschrecken, sondern eher in seiner Idee beflügeln liess. Ich denke, so ähnlich ist es auch bei Tinu in der Weinkultur zugegangen. 

Über die legendäre Degustation, die darauf folgte, lachen Sven und ich noch heute. Wie unschwer zu erraten, durften beide Weinhandlungen fortan das neu gegründete Restaurant moment beliefern. So entstand das erste Restaurant in Bern, welches komplett auf naturbelassene Weine setzte und all jene Lügen strafte, welche stets behauptet hatten, diese Weine seien zu schwierig für die Gastronomie. 

Das war vor fünf Jahren. Mittlerweilen hat sich das moment zu einem Fixpunkt in der gehobenen Gastroszene etabliert. Kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Immer wieder erfrischt das moment-team mit ausgefallenen Anlässen und unerwarteten Pop-ups. Es ist eine Freude, zuzusehen und mitzuerleben, mit wie viel Energie «les moments» unterwegs sind.

Nun steht ein neuer Kopf bereit, um diesem Konzept seine ganz eigene Duftnote zu verleihen. Seit Anfang Jahr, sprich seit Wiedereröffnung nach Corona, steht Ruben Sägesser in der Küche und zaubert ein herrlich saisonales Überraschungsmenü auf den Tisch. Ob Vegi, Veganer oder Fleischverzehrer – allen wird voll und ganz entsprochen. Wobei von Zauberei natürlich nicht die Rede sein kann. Hinter den überraschenden, ehrlichen und wunderbaren Speisen steckt harte Arbeit. Egal wann ich in den letzten Monaten Wein geliefert habe, Ruben war stets mit Freude und Elan in der Küche. Mal machte er seinen eigenen Tofu, ein anderes Mal zupfte er Fleisch oder buk das hauseigene Sauerteigbrot – und immer überraschte er mich mit einer neuen Idee. 

Nun, wenn man ständig hinter die Kulissen blicken und zuschauen darf, was der Koch da für Ideen austüftelt, dann will man das ja auch ausprobieren. Daher konnte ich die Wiedereröffnung kaum abwarten. Eine Woche Eingewöhnung gönnte ich dem Team – und mir dann das gesamte Menü. Die Erwartungen waren gross, das Gebotene grösser. So das schlichte Fazit eines gelungenen Abends mit Freunden, viel Herz, grossartigem Essen und Naturwein. 

Wie anfangs gesagt, das moment lässt sich aus Bern nicht mehr wegdenken.