«Mached waner wönd» – oder die Story von TRAKUCKULA

Stephan Herter hatte eine Heimsuchung. Bei ihm zu Gast war ein kleines Malheur, etwas, dass ihm noch nie passiert war. Und daraus entstand TRAKUCKULA. 

Aber von Anfang an. Am 2. März des Jahres 2021 – das war der Tag, an dem die Sonne schien, als wäre es schon Sommer – machten wir uns auf, um den Stephan Herter in Winterthur zu besuchen. Die Taschen voll mit feinsten Speisen vom Berner Wochenmarkt trafen wir den Winzer direkt beim Taggenberg, seinem ältesten und wichtigsten Rebhang. 

Schon begann die wohl interessanteste Rebberg-Besichtigung, welche wir bis dato erleben durften. Was Steph alles tut, damit in seinem Rebberg ein natürliches Gleichgewicht herrscht, sucht seines gleichen. Ausgangspunkt ist die grosse Hecke inmitten der Reben, welche einer Vielzahl Klein- und Kleinstlebewesen als Wohnort dient. Um die Monokultur zu brechen, pflanzt er immer neue Obstbäume zwischen die Reben. Ca. 50 Stück sind es schon. Überall verstreut stehen viele kleine Steinhaufen, welche als Schutz für Wiesel dienen. Die armen Tierchen sind vom Aussterben bedroht, da sie zu wenig Verstecke finden und so leichte Beute für die Greifvögel sind. Seit kurzem gibt es auch ein kleines Biotop im Rebberg welches von herabfliessendem Wasser natürlich gefüllt wird. Kurzum, es ist einfach unglaublich, wie viel hier in ein gesundes Mikroklima investiert wird. 

Saubere 2 Stunden gingen ins Feld oder in den Weinberg, in denen wir dann noch über das Weglassen von Chemie und Gift sprachen, darüber wie die Bodenbeschaffenheit zustande kam, das Zusammenbrauen von Tinkturen, wo welche Trauben am Besten wachsen und welcher Wein aus welcher Parzelle stammt. All dies zusammen zeichnet ein Bild von einem Menschen, der sich unglaublich viele Gedanken zur nachhaltigen Landwirtschaft macht. Einem Menschen, der unterwegs ist und sich immer wieder inspirieren lässt. Nicht mit der Idee, mehr zu produzieren, Gewinne zu steigern, sondern eine natürliche, gesunde Umgebung zu schaffen, in der sich Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermassen wohlfühlen. 

Doch egal wie spannend eine solche Führung ist, irgendwann knurrt der Magen. Es war Zeit, zur Tat zu schreiten. Wir kaperten die Herter’sche Küche und überfüllten den Esstisch mit den mitgebrachten Speisen. Dazu wurden folgende Weine gereicht: eine der letzten Flaschen Kuckuck 2019, Ferdinand, Rufus und Adelheid aus demselben Jahr und Grimbart 2018 – alles alte Bekannte, die uns auf die kommende Verkostung der neuen Jahrgänge (ab Fass und Tank) einstimmten. 

Nach dem Essen ging’s also in den Keller, genauer in den neuen Barrique-Keller, welcher hier in den letzten Jahren in den Hügel gegraben und ausgebaut wurde. Fast schon akrobatisch turnt der Winzer vor uns durchs Gehölz und entzieht den Fässern und Tanks die neuesten Säfte – die einen schon fast fertig, andere noch nicht ganz, aber alle voller Energie und Natürlichkeit. Die neue Strix direkt ab Fass und doch schon ein Traum. Dann die einzelnen Weine, welche zum Väterchen Frost verschnitten werden, wo man sich schon fragt, ob dieser Syrah nicht auch reinsortig schon der Hammer wäre. Und schliesslich schlummert da ein Rufus Fumé im Fass, der noch nicht ganz soweit ist und doch schon erahnen lässt, was da noch kommt. Es verfloss die Zeit und Steph führte uns zurück in den Hauptkeller, wo er uns einen für Herter-Handschrift untypischen rosé in Glas füllte. 

Da «wildelt» einem doch ein Häuchlein flüchtige Säure entgegen, kitzelt und reizt die Nasenhaare der unreinen Naturweintrinker… Was ist das? Die Begeisterung unsererseits ist gross, das leicht amüsierte und konsternierte Lächeln des Winzers auch. Ohne Kommentar erhalten wir ein zweites roséfarbenes Getränk gereicht. Herrlich, perfekt, wieder ganz Herter-Wein und unverkennbar der neue Kuckuck, wow… Aber was war das davor? Etwas zerknirscht wird uns erklärt, dass ein Tank mit Kuckuck eine flüchtige Säure aufweist und dass er das so sicher nicht rausgeben wird. Bei uns läuten die Glücksglocken, denn das bisschen volatile Säure schadet unserer Meinung nach dem Wein aber so was von überhaupt nicht. Wir wollen alles für uns. Als wir die Menge von 1200 L hören, müssen wir doch nochmals Schlucken und kurz in uns gehen, doch eigentlich ist es klar: der Wilde Saignée ist für’s Trallala. 

Das ist die Geburtsstunde eines neuen Weins: TRAKUCKULA ist aus seinem Stahlsarg gestiegen. «Ach, machet waner wönd» sagt Steph etwas fassungslos über den neuen Namen und die Begeisterung für seinen leicht angeschlagenen Rosé. Das haben wir dann auch gemacht und nun kommt er nach Bern, um alle Weintrinker in Naturweintrinker zu verwandeln. TRAKUCKULA -AUSGEBLUTET – wer ihn trinkt, wird nie mehr sein wie früher. 

Wir haben dann noch bei beiden Autos den Kofferraum mit Herter-Wein gefüllt, uns für einen wunderbaren und spannenden Tag bedankt und zufrieden den Rückweg angetreten. Ein vorfreudiges Lachen im Gesicht und die Ungeduld im Herzen. Nun fast 3 Monate später, hat das warten ein Ende… Willkommen in Bern lieber Herter-Wein aus dem Jahre 2020 und enchanté TRAKUCKULA.