Michael Broger

Thurgau, Schweiz

Keine Frage, der Mann hat ein ausgeprägtes, vor allem aber ganzheitliches Qualitätsbewusstsein. Beim Weinmachen genauso wie beim Wursten. 13 Wollschweine und 17 Skudde- Heideschafe weiden neben seinem kleinen, aber feinen Wein- Bauernhof am thurgauischen Ottoberg. Was hier zufrieden grunzt und blökt, ist gewissermassen das Marketingbudget. Denn wenn der 50-jährige Michael Broger jeweils im Frühling, und dann noch einmal Anfang Winter zur Weinprobe einlädt, gibts hausgemachte Würste.

Die Schafe halten grasfressend auch die begrünten Rebberge in Schuss, und der Mist der Wollschweine ergibt einen vorzüglichen Dünger. Kreisläufe schaffen ist ein erklärtes Ziel von Michael Broger. Zu seinen Charaktereigenschaften gehört auch, dass er sein Tun permanent hinterfragt. Etwas nur deshalb machen, weil es alle anderen auch machen, oder weil es in irgendeinem Lehrbuch steht, ist nicht sein Ding. Als er den alten Bauernhof sanft umbaute, hielt er – wo immer möglich – an der alten Bausubstanz fest, dort, wo Neuerungen unausweichlich waren, entschied er sich für modern-schlichte Lösungen mit Glas und Sichtbeton. Im alten Keller, wo er heute seine Weine ausbaut, stehen Barrique`s und Stahltanks- aber noch immer auf dem über die Jahrhunderte festgestampften Naturboden, weil der das Raumklima einfach positiver beeinflusst, als ein neuer, pflegeleichter Betonboden. 



Broger will möglichst naturbelassene Weine in die Flaschen bringen, gehört aber keiner jener Naturwein-Gruppierungen an, die zurzeit wie Pilze aus dem Boden schiessen. Die einzige Doktrin, zu der er sich bekennt, ist der Individualismus. Auf den Einsatz von Kunsthefen und die Filtration verzichtet er bei seinen Spitzenweinen schon lange. In den letzten Jahren hat sich Broger intensiv mit der Schwefel-Problematik auseinandergesetzt. Schnell hat er gemerkt, dass ein Pinot auch dann über Jahre hinweg hält, wenn er weit weniger als die 150 Milligramm Gesamtschwefel enthält, die nach Gesetz zulässig wären. Bei seinem experimentellen Blauburgunder «broger-dynamisch», der nach dem biodynamischen Anbaukonzept des Anthroposophen und Esoterikers Rudolf Steiner angebaut wird, verzichtet er gar vollständig auf die Schwefelung. So entsteht ein charaktervoller, eigenwilliger Wein mit fl oralen Noten, präsenter Säure und kernigem Gerbstoff. Aber auch sein Topwein «Alte Rebe» wird inzwischen nur noch homöopathisch geschwefelt. Um seinen Pinots trotzdem die nötige Stabilität zu verleihen, erntet Broger die Trauben vergleichsweise früh, so entstehen Weine mit tiefem PH-Wert und hoher Säure. So hat seine Sensibilität bezüglich des Schwefel-Eingriffs auch seine Pinot-Stilistik verändert. Auf jeden Fall setzen seine Gewächse auf höchst angenehme Weise einen markanten Gegenpol zu jenem zunehmend verhängnisvollen Pinot-Zeitgeist, der gegenwärtig eine Flut von samtig-süsslichen Weichzeichner-Weinen ohne Ecken und Kanten hervorbringt. Die unkaschierten, im besten Sinne des Wortes naturbelassenen Pinots von Michael Broger dagegen verkörpern Authentizität, Subtilität, Frische und Ehrlichkeit und stehen damit ganz und gar in der burgundischen Tradition. Wir können uns nur verneigen vor diesem Winzer, der sein Weingut erst vor zwölf Jahren mit vergleichsweise wenig Startkapital gegründet hat und trotz aller wirtschaftlicher Zwänge mit einer fadengeraden Konsequenz seinen eigenen Weg geht.

Weine von Michael Broger