Sébastien David

Saint-Nicolas-de-Bourgueil, Frankreich

Als Sebastien David 1999 die fünf Hektaren Rebland von seinen Grosseltern übernahm, war für ihn schon klar, dass er neue, respektive eigentlich sehr alte Wege gehen wollte. Im Saint-Nicolas-de-Bourgueil war er damit einer der Pioniere des biologischen (bio-dynamischen) Weinbaus.

Zum Glück war sein Grossvater, obwohl nicht zertifiziert, der natürlichen Arbeitsweise zugetan. Deshalb mussten die Böden nicht lange entgiftet und vitalisiert werden. Nach und nach übernahm er auch die restlichen Parzellen seiner Familie, welche schon seit 15 Generationen im Satin-Nicolas-de-Bourgueil-Wein- und Obstbau tätig ist.

Es erstaunt daher nicht, dass Sebastien, obwohl er sich ständig weiterentwickelt, den Stil der Region in Perfektion in die Flasche bringt. Seine Weine sind knackig, frisch und leicht zu trinken. Mittlerweile bewirtschaftet der umtriebige Winzer 15 Hektar Rebland, welches im burgundischen Stil angelegt ist. Die Parzellen sind in der ganzen Appellation verteilt. Dies hat den Vorteil, dass bei Unwettern selten alle Lagen betroffen sind. Die Transportwege bleiben trotzdem kurz, da sich das kleine AOC-Gebiet auf knapp 1000 Hektar rund um das Winzerdorf ausbreitet.

Bevor Sebastien an der Loire die Zügel in die Hand nahm, besuchte er die private Weinschule in Briacé im Muscadet. Dort lernte er auch die ersten Naturwinzer kennen und entdeckte den Geschmacksreichtum ihrer Weine. Das scheint ihn nachhaltig beeindruckt zu haben, denn obwohl er zunächst einen Ausflug zur «dunklen Seite des Weines» macht und bei einer kalifornischen Industrie-Weinkellerei anheuert, schien sein Weg im Grundsatz schon klar. Spannend ist, dass er von den Chemikern dieses Weinguts, welches auch nicht davor zurückschreckte, ihre Weine mit anderen Obstsäften zu aromatisieren, etwas sehr Wichtiges lernen konnte: Um Geld zu sparen, wurde nämlich auf so viel Zusatzstoffe wie möglich verzichtet.

Insbesondere beim Thema Schwefel lernte er, wie wichtig das Gasgleichgewicht des Weines ist. Wenn die «Atmosphäre» im Wein stimmt, dann braucht es keinen Schwefel. Ein Umstand der es ihm heute ermöglicht, mit null Zusatzstoffen auszukommen. Natürlich braucht es dazu auch ein gesundes Mikroklima im Rebberg und gesundes Traubengut. Dies erreicht er durch die biodynamischen Anbaumethoden.

Im Rebberg versucht Sebastien zudem so wenig wie möglich zu intervenieren. Sein bestreben liegt darin das Gleichgewicht der Rebe zu finden. Wenn dies gelingt ist ein zurückschneiden nicht mehr nötig, weil die Pflanzen sich selber regulieren. Dabei ist es wichtig, der Natur im Rebberg freien lauf zu lassen und die Flächen zwischen den Zeilen nicht zu mähen. Um die Wurzeln der Pflanze und somit deren Energiefluss nicht zu beschädigen, verzichtet er indes vollends auf das Pflügen. Die Trauben werden schliesslich von Hand gelesen, aber nicht etwa Lagen-spezifisch, sondern nach Reifegrad. Das heisst, die Lese-Crew geht mehrmals durch alle Parzellen und liest jeweils die Trauben, welche zu der Zeit ausgereift sind.

Im Keller begann Sebastien relativ klassisch, mit Holzfässern und Stahltank. Erst nach und nach begann er, sich für die Amphoren zu interessieren. Unterdessen hat er ein ganzes Sammelsurium davon. Runde Sandsteingefässe aus Süditalien, Betoneier und Tonamphoren. All das liegt in seinem Heiligtum versteckt. In einem Keller in einem alten Steinbruch fast 30 Meter unter der Erde. Bei einer Raumhöhe von 7 Metern und einem unglaublich stabilen aber sehr feuchten Klima gären die Weine von Sebastien David vor sich hin und warten drauf abgefüllt zu werden.

Weine von Sébastien David